rating service  security service privacy service
Scoring - Wege aus der Scoringfalle
Philipp Hochstöger
Scoring - Welche Datenarten werden verwendet? Welche Gefahren birgt Kredit-Scoring? Wird Scoring durch das DSG 2000 reguliert? Wie sieht es in Deutschland aus? Wie kann ich meinen Score erfahren? Was kann ich dagegen tun?

Scoring - Welche Datenarten werden verwendet?

In einer Gesellschaft, in der alles schnell gehen muss, nutzen immer mehr Unternehmen automatisierte Verfahren wie Scoring um herauszufinden wie zuverlässig potentielle Vertragspartner sind.

Neben Wirtschaftsauskunftsdiensten und Banken greifen Versicherungen und zunehmend auch potentielle Arbeitgeber auf Scores zurück. Der folgende Beitrag behandelt Scoring im Zusammenhang mit Kreditwürdigkeit.

Beim Kredit-Scoring durch Wirtschaftsauskunftsdienste und Banken wird auf Grund von Merkmalen des Kunden, wie Familienstand, Beruf, Arbeitgeber, Geburtsdatum oder Wohnort, ein Punktestand ermittelt, der Aufschluss geben soll, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Kunde den Kredit zurückzahlen wird. Erst ab einem gewissen Wert wird eine Person als kreditwürdig angesehen und ein Kredit gewährt. Liegt der Scoring-Wert unter dieser Schwelle wird der Vertrag nicht geschlossen oder unter schlechteren Konditionen.

Es zeigt sich, dass sowohl Zahlungsdaten (Einkommen, bestehende laufende Verbindlichkeiten, offene Kreditraten, etc.), als auch soziographische Daten (Ausbildung, Art der Beschäftigung, Arbeitgeber, Wohngegend, Familienstand, etc.) verwendet werden.

Welche Gefahren birgt Kredit-Scoring?

Die Reduzierung eines Kunden auf einen Wert ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Zum einen werden Daten verarbeitet, die nichts oder sehr wenig über die Zahlungsfähigkeit eines Kunden aussagen. Wohnt ein Betroffener in einer Gegend, in der laut Statistik durchschnittlich viele Zahlungsausfälle registriert wurden, kann daraus nicht geschlossen werden, dass auch der Betroffene seine Leistung nicht erbringen wird. Persönliche Besonderheiten werden gar nicht berücksichtigt.

Zum anderen werden oft alte oder ganz einfach falsche Daten zur Berechnung herangezogen, die die Aussagekraft des Scoring-Werts reduzieren. Um immer mehr und mehr Daten von einer Person zu bekommen, prüfen die meisten Auskunfteien ihre Datenlieferanten nicht sorgfältig, sodass der Dateninhalt oft nicht der Realität entspricht.

Wird Scoring durch das DSG 2000 reguliert? Wie sieht es in Deutschland aus?

Der österreichische Gesetzgeber hat es bis jetzt nicht geschafft eine Regelung bezüglich Scoring in das Datenschutzgesetz aufzunehmen. Es bedürfte einerseits einer gesetzlichen Lösung, die mehr Transparenz für den Betroffenen bringt und diesem seine Rechte aufzählt. Andererseits müsste die Regelung gewisse Qualitätsanforderungen für die Score-Berechnung statuieren.

Fest steht nur, dass man Auskunft auch über die zur Berechnung herangezogenen Daten verlangen kann, und wer für die Auskunftserteilung zuständig ist (siehe Urteile des VwGH 2009/17/0223 11.12.2009 und 2008/17/0096 15.11.2012 unten).

Anders sieht die Rechtslage in Deutschland aus, wo das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) um einige Paragraphen zum Thema Scoring erweitert wurde.
Nach § 28b BDSG darf bei der Entscheidung über ein Vertragsverhältnis ein Score-Wert verwendet werden, wenn
(Z1) die zur Berechnung des Wahrscheinlichkeitswerts genutzten Daten unter Zugrundelegung eines wissenschaftlich anerkannten mathematisch-statistischen Verfahrens nachweisbar für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit des bestimmten Verhaltens erheblich sind,
(Z3) für die Berechnung des Wahrscheinlichkeitswerts nicht ausschließlich Anschriftendaten genutzt werden,
(Z4) im Fall der Nutzung von Anschriftendaten der Betroffene vor Berechnung des Wahrscheinlichkeitswerts über die vorgesehene Nutzung dieser Daten unterrichtet worden ist; die Unterrichtung ist zu dokumentieren.

Mit dieser Regelung soll sichergestellt werden, dass nur Daten verwendet werden, die für den Wahrscheinlichkeitswert eines bestimmten Verhaltens relevant sind. Ob das mit dem § 28b BDSG erreicht wird ist eine andere Frage, zumindest werden grundlegende Erfordernisse an die Berechnung eines Scoring-Wertes gestellt.

Für mehr Transparenz hat der deutsche Gesetzgeber mit dem § 34 BDSG gesorgt, der dem Betroffenen ein Recht auf Auskunft einräumt. Nach § 34 Abs. 2 BDSG müssen Auskunfteien auf Verlangen Auskunft geben über die aktuellen und die innerhalb der letzten 12 Monate übermittelten Score-Werte sowie deren Empfänger, über die zur Berechnung der Score-Werte genutzten Datenarten sowie das Zustandekommen und die Bedeutung der Score-Werte.

Nach § 34 Abs. 2 BDSG hat ebenfalls das Unternehmen, das über Abschluss/Ablehnung/Beendigung eines Vertrages entscheidet dem Betroffenen auf Verlangen Auskunft zu erteilen.

Wie kann ich meinen Score erfahren?

Grundsätzlich muss der Auftraggeber nach § 26 DSG 2000 jeder Person, die dies schriftlich verlangt und ihre Identität in geeigneter Form nachweist, Auskunft über die zu dieser Person verarbeiteten Daten geben. In der Regel ist nicht die Wirtschaftsauskunftei der Auftraggeber iSd DSG 2000, obwohl sie mit ihren gespeicherten Daten den Score errechnet, sondern ihr Kunde (z.b Bank).

Nach einem Urteil des VwGh (2009/17/0223 11.12.2009) ist die Auskunftei bloß als Dienstleister iSd DSG 2000 anzusehen, da sie zwar die von ihr gesammelten Daten zur Errechnung der Score-Werte heranzieht, das Berechnungsschema aber von ihrem Kunden kommt. Der VwGh hat entschieden, dass in dieser Konstellation, der Kunde (z.B. Bank, Mobilfunkanbieter) der Auskunftei als Auftraggeber iSd DSG 2000 anzusehen ist. Das Auskunftsbegehren nach §26 DSG 2000 muss deshalb an das Unternehmen gestellt werden, das der Auskunftei den Auftrag zur Berechnung eines Scores gegeben hat und das Berechnungsschema zur Verfügung gestellt hat.

Den Kunden der Wirtschaftsauskunftei interessiert aber meist nur der Score und nicht, wie er berechnet wurde. Er kann somit nicht Auskunft über die Daten geben, die zur Berechnung des Scoring-Werts herangezogen wurden, ganz einfach, weil er sie nicht hat. Der Kunde kann daher nur den Score nennen, aber nicht, wie er zustande gekommen ist. In einem weiteren Urteil zum Thema Scoring (2008/17/0096 15.11.2012) hat der VwGH deshalb entschieden, dass sich das Auskunftsrecht nach § 26 DSG 2000 auch auf die durch den Dienstleister im Rahmen des Auftrages verarbeiteten Daten erstreckt. Der Auftraggeber (Kunde der Auskunftei) ist verpflichtet, sich bei der Auskunftei über diese Daten zu erkundigen und sie an den Auskunftswerber weiterzuleiten.

Zusammenfassung

Wurde ein Vertrag von einem Unternehmen verweigert und man weiß nicht genau, warum, kann es mit dem Score zu tun haben. Um seinen Score zu erfahren, macht man seinen Anspruch auf Auskunft nach § 26 DSG 2000 geltend. Das Unternehmen, wenn es denn tatsächlich Score-Werte gespeichert hat, muss sowohl über diese Werte Auskunft geben, als auch über die zur Berechnung herangezogenen Daten.
Um sich davor zu schützen, dass Wirtschaftsauskunftsdienste weiterhin personenbezogene Daten zu einem Score verwerten, sollte man sein Recht auf Löschung nach § 27 DSG 2000 wahrnehmen bzw. der Verwendung seiner Daten nach § 28 DSG 2000 widersprechen. Sowohl das Löschungsrecht, als auch das Widerspruchsrecht wird hierbei gegenüber der Auskunftei geltend gemacht, da sie bezüglich dieser Daten als Auftraggeber iSd DSG anzusehen ist.


mehr --> Alle Beiträge zum Thema Bonität
mehr --> VwGH: 2008/17/0096 - Auskunftsrecht bei Scoring-Daten
mehr --> VwGH: 2009/17/0223
andere --> Wann dürfen Unternehmen Bonitätsauskünfte einholen?
andere --> Was sind Daten wert?
andere --> Big Data statt Big Brother - Endlich Schluss mit Privatsphäre!
andere --> Scoring als Mittel der Bonitätsbeurteilung?
andere --> Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)
andere --> Datenschutzgesetz 2000 (DSG 2000)

Die angezeigten Informationen und Artikel werden im Rahmen des ARGE DATEN Informationsdienstes kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Angaben sind sorgfältig recherchiert, es wird jedoch für die Richtigkeit keine Gewähr übernommen. Alle Angaben, Aussagen und Daten beziehen sich auf das Datum der Veröffentlichung des Artikels. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass insbesondere Links, auf Websites gemachte Beobachtungen und zu einem Sachverhalt gemachte Aussagen zum Zeitpunkt der Anzeige eines Artikels nicht mehr stimmen müssen. Der Artikel wird ausschließlich aus historischem und/oder archivarischen Interesse angezeigt. Die Nutzung der Informationen ist nur zum persönlichen Gebrauch bestimmt. Dieser Informationsdienst kann professionelle fachliche Beratung nicht ersetzen. Diese wird von der ARGE DATEN im Rahmen ihres Beratungs- und Seminarservice angeboten und vermittelt. Verwendete Logos dienen ausschließlich zur Kennzeichnung der entsprechenden Einrichtung. Die verwendeten Bilder der Website stammen, soweit nicht anders vermerkt von der ARGE DATEN selbst, den in den Artikeln erwähnten Unternehmen, Pixelio, Aboutpixel oder Flickr.

© ARGE DATEN 2000-2017webmaster