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2019/03/06 Österreichs Bildungsdaten landen bei Google - Ministerium gibt sich ahnungslos
Daten von Eltern, Schülern und Lehrern landen bei Google - Ministerium und Bildungsdirektion Niederösterreich bestreiten Google-Einsatz - Bundesminister Faßmann gefordert - nur Spitze des Eisbergs - Whatsapp, Gmail und Facebook dominieren Schulalltag - Österreich informationstechnisch im Bildungsbereich nicht einmal Dritte-Welt-Status

Daten von Eltern, Schülern und Lehrern landen bei Google

Ein Lehrer einer niederösterreichischen Schule hatte sich an die ARGE DATEN mit der Frage zur Zulässigkeit des Einsatzes von Google (inklusive Google Drive) im Schulbetrieb gewandt. Offenbar wurde in dieser Schule seit 2015 die bisherige lokale Serverlösung aufgelassen und eMail-Verkehr inklusive Dokumentenablage landeten bei Google. Damit landen Schülerlisten, Fotos und Aufzeichnungen zum Schulbetrieb in einer "Cloud", im datenschutzrechtlichen Niemandsland.

Gründe für den höchst problematischen Systemwechsel wurden nicht genannt. Der ARGE DATEN liegen Unterlagen vor, die die Vorgänge dokumentieren. Eine Auftragsverarbeiter-Vereinbarung mit Google, wie sie die DSGVO zwingend verlangt, existiert nach Information des Lehrers nicht.

Sollten die Angaben des Lehrers stimmen, liegt ein klarer Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vor. Ohne Zustimmung der Betroffen und ohne geeignete Vereinbarung dürfen persönliche Daten weder in die Cloud, noch in unsichere / unbekannte Länder verschoben werden.

Ministerium und Bildungsdirektion NÖ geben sich unwissend

Verantwortlich für einen derartigen Verstoß sind das Bildungsministerium und die Bildungsdirektion NÖ.

Selbstverständlich hat die ARGE DATEN im Rahmen eines Auskunftsverfahrens beide Einrichtungen kontaktiert. In beiden Fällen wurde eine Einbindung von Google-Lösungen im Schulalltag bestritten. Erwähnt wurde eine Unzahl "offizieller" Schulsoftware, wie Sokrates, Web-Unitis, ISO/Ideal usw. Diese müssen von den Schulen verwendet werden.

Offenbar sind diese "offiziellen" Produkte nicht alltagstauglich, Schulen, Lehrer und Eltern haben sich ihre eigene Schatten-IT aufgebaut.

Hans G. Zeger, Obmann ARGE DATEN: "Die Ausführungen der Behörden sind zwar glaubwürdig, offenbaren jedoch eine geradzu unfassbare Naivität. Offensichtlich wissen weder das Bildungsministerium, noch die Bildungsdirektionen über den Schulalltag bescheid. Die Kontrolle über die Schuldaten ist längst verloren gegangen."

Unterrichtsminister Faßmann gefordert

Der Unterrichtsminister ist dringend gefordert ein Konzept vorzulegen, mit dem die datenschutzrechtlich unzulässige Schatten-IT in den Schulen wirksam abgestellt wird, mit dem sicher gestellt wird, dass in Schulen keine Daten bei Google und Co landen.

Überfällig ist auch ein konkretes Bildungskonzept, damit Österreichs Jugend UND Lehrer fit für das 21. Jahrhundert gemacht werden. Schweigen und Anbiederung an die Lehrergewerkschaft werden den Turn-Around nicht schaffen.

Whatsapp, Gmail und Facebook dominieren Schulalltag

Der vorliegende Fall ist kein Einzelfall. Regelmäßig wenden sich besorgte Eltern, Schüler oder Lehrer an die ARGE DATEN um sich über fragwürdige Webseiten, sonderbare IT-Lösungen oder bedenklichen eMail-Einsatz in der Schule oder an den Universitäten zu informieren.

Hans G. Zeger: "Wir beobachten schon seit vielen Jahren einen katastrophalen Wildwuchs an IT-Schullösungen, beginnend bei nicht datenschutzkonformen Schul-Webseiten, fahrlässiger Produktabhängigkeit bis zu GMail- und Whatsapp-Einsatz im Schulalltag. Offenbar entsprechen die offiziell bereitgestellten Produkte nicht den Lehrer-, Schüler- und Elternwünschen."

Österreich im Bildungsbereich informationstechnisch Dritte-Welt-Land

Entgegen den politischen Beteuerungen verliert österreichs Bildung immer mehr den Anschluss an die Informationsgesellschaft. Sogar wohlmeinende Bildungs"experten" haben kapituliert, wenn sie - wie unlängst - meinen, man könne von einem 50-jährigen Lehrer nicht mehr verlangen das Internet zu verstehen.

Übersehen hat der famose Experte, dass dieser 50-jährige zum Zeitpunkt der Einführung des Internets in Österreich 25 Jahre alt war und offenbar noch in der Lehrerausbildung steckte. Ein wenig Modernität hätte man von ihm und der Ausbildung rewarten können. Selbst heute 60-jährige durften mit 25 Jahren die Einführung des Personal-Computers erleben.

Endgültige Kapitulation vor Google & Co?

Statt Kindern, Jugendlichen und Lehrern analytische Fähigkeiten, Logik und Problemlösungskompetenz beizubringen, reduziert sich Informationsbildung auf ein konsumentenorientiertes Bedienen fertiger, datenschutzrechtlich fragwürdiger Produkte.

Damit werden nicht die neuen Arbeitsplätze geschaffen werden können, die Österreich dringend benötigt, bestenfalls IT-Konsumenten-Zombies bringt ein derartiges Bildungssystem hervor.

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