2005/03/14 Private Kreditgeschäfte über Internet?
P2P-Kreditportal in Großbritannien eröffnet - Zopa Betreiber erwarten massiven Einbruch des professionellen Bankgeschäfts - Zopa-Schuldner werden nach Bonität klassifiziert - Suche nach Privacy Statement bleibt vergebens - Konsumentenrevolution auf Kosten der Konsumenten?
P2P-Kreditportal in Großbritannien eröffnet
Mit der Eröffnung von zopa.com (Zopa steht für zone of possible agreement) in Großbritannien, einer Kreditplattform für private Gläubiger und Schuldner wurde eine neue Variante des eBay Business Modells geschaffen. Über ein neues peer-to-peer-Netzwerk (P2P) können private Anleger die Geld investieren möchten direkt - ohne Einschaltung einer Bank oder Sparkasse - mit Personen in Kontakt treten, die Geld benötigen. Zopa wie eBay beschränken sich im Wesen auf das Anbahnen der Geschäfte, alles weitere wird den Konsumenten überlassen. Man setzt hier auf den Schneeballeffekt. Je mehr Menschen die Portale nutzen, desto attraktiver werden sie für immer breitere Zielgruppen was wiederum intensivere Verbreitung und Nutzung zur Folge hat. Die unverschämt hohen Kosten des Mittelmanns in diesem Fall der Banken und Kreditinstitute werden zu Gusten der Konsumenten auf ein Minimum gesenkt, so die Betreiber von Zopa.
Betreiber und Medien loben das Potential dieser P2P Portale, die durch Vermittlung zwischen Konsumenten die Möglichkeiten des eCommerce optimal ausschöpfen.
Zopa Betreiber erwarten massiven Einbruch des professionellen Bankgeschäfts
Zopa Chef Richard Duvall möchte mit seinem Portal vorerst Menschen ansprechen, die der Überheblichkeit und Gesichtslosigkeit der niedergelassenen Banken überdrüssig sind. Er sagt Zinsgewinne von bis zu 30% für Anleger und Zinsersparnisse von 20% für Schuldner über den üblichen Angeboten der Banken voraus.
Auch für Risiko-Investoren wie Johan Brenner von venture Capitalists Benchmark Europe ist das Portal besonders attraktiv. Brenner hat schon in zahlreiche andere P2P sites erfolgreich investiert. Auch er setzt auf den Schneeballeffekt dieser innovativen Site.
Obwohl die Betreiber von Zopa den Banken offen den Kampf angesagt haben, haben sie es dennoch geschafft alle notwendigen Lizenzen der britischen Aufsichtsbehörden zu erlangen. Das Service besitzt eine Kreditlizenz vom Office of Fair Traiding und wurde von FSA (Financial Service Authority) authorisiert.
In Österreich wäre lauf Auskunft der Bankenaufsicht ein derartiges Portal konzessionspflichtig. Die Konzessionserteilung für Kreditgeschäfte ist an zahlreiche hohe Auflagen gebunden, darunter die Bereitstellung eines Anfangskapitals von mindestens 5 Millionen EUR. Das E-Geldgesetz, das bei online-Geldgeschäften wesentlich geringere Anforderungen für Konzessionen vorsieht, darf auf Kreditgeschäfte nicht angewendet werden.
Österreicher können das britische Portal auf eigene Verantwortung nutzen. Sollte Zopa allerdings in Östereich Geschäftstätigkeit entfalten, d.H. Österreicher gezielt bewerben oder ansprechen oder eine at. Domain verwenden, wäre wiederum Konzessionspflicht gegeben.
Zopa-Schuldner werden nach Bonität klassifiziert
Der berechtigten Sorge der Konsumentenschützer, dass Gläubiger auf diese Weise ihre Ersparnisse verlieren, sei es dass gezielte Betrüger am Werk sind, sei es dass sich Schuldner einfach überfordern, haben die Betreiber des Potals zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen entgegengesetzt. Zum einen borgen niemals einzelne Kreditgeber an einzelne Kreditnehmer sondern immer Gruppen von mindesten 50 Mitgliedern an weitere Gruppen. Sollte einer von den 50 zahlungsunfähig werden, so verteilt sich das Risiko. In jedem Fall geht die Schuld an ein Inkassobüro und wird von diesem auf die übliche Weise eingetrieben. Damit ist das Insolvenzrisiko gut aufgeteilt. Zusätzlich wurden Maßnahmen gesetzt um Geldwäsche zu verhindern. Weiters dürfen Gläubiger nicht gleichzeitig Schuldner sein und zu einem hohen Zinssatz Kredite anbieten während sie zu einem niedrigen ausborgen.
Alle Mitglieder die Kredite aufnehmen möchten, müssen sich Bonitätsprüfungen unterziehen und werden daraufhin von den Betreibern des Portals akzeptiert oder abgelehnt. Weiters werden die Schuldner je nach Bonität in zwei Gruppen eingeteilt, eine sichere Gruppe (A) und eine riskantere Gruppe (B). Die Gläubiger können dann auswählen welcher Risikogruppe sie zu welchem Zinssatz für welche Zeitdauer Geld borgen möchten. Schuldner dürfen bis zu 15 000 Pfund aufnehmen, Gläubiger bis zu 25 000 Pfund zur Kreditvergabe anbieten. Die 1% Kommission, die die Betreiber des Portals verrechnen, tragen ausschließlich die Schuldner. Für Gläubiger ist das Service kostenlos.
Eine weitere Maßnahme, die laut Betreibern der Site vertrauensbildend sein soll, sind die Aufzeichnungen des Verhaltens der Mitglieder. Nach dem Motto: wer in der Vergangenheit vertrauenswürdig war, wird es auch in Zukunft sein, soll Konsumenten die Angst vor Einmalgeschäften genommen werden.
Suche nach Privacy Statement bleibt vergebens
Die berechtigte Unsicherheit, die private Gläubiger davon abhalten könnte ihr Geld über zopa zur Verfügung zu stellen, soll durch Bonitätsdaten, historische Transaktionsdaten der Schuldner beschwichtigt werden. Wie es aussieht, werden diese zahlreichen Datensammlungen, die das Portal angeblich vertrauenswürdig machen von verschiedenen Organisationen betrieben. So werden laut Angaben der Betreiber Bonitätsprüfung und Online-Identifizierung von Equifax übernommen, weitere Dienste wie z.B. das Leumundsarchiv, das eine zusätzliche vertrauensbildende Maßnahme sein soll werden von anderen Firmen betrieben.
Was die verschiedenen Organisationen mit den erhobenen Kundendaten machen, wielange sie diese speichern, an wen sie sie weitergeben bleibt völlig offen. Datenschutz wird nichteinmal erwähnt.
Konsumentenrevolution auf Kosten der Konsumenten?
Euphorische Pressebereichte schreiben von der stillen Konsumentenrevolution, die dank der Erfolge von eBay und Betfair nicht mehr zu stoppen ist (BBC News oder Netimperative). Sie beschränken sich ausschließlich auf die positiven Aspekte der neuen P2P Portale, die auch nicht abzustreiten sind. Wenn man diese allerdings aus der Sicht der Datenschützer betrachtet, ist es eine Albtraum.
Das Vorbild eBay, auf dessen Erfolgsstory zopa aufbauen möchte verwendet generelle Zustimmungserklärungen die vor österreichischen Gerichten mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht halten können (http://www2.argedaten.at/php/cms_monitor.php?question=PUB-TEX...). Für die Betreiber von Zopa ist Datenschutz überhaupt kein ein Thema.
Das Fehlen einer Datenschutzerklärung, auf einer Plattform die sensible Bonitätsdaten erhebt, wie es bei Zopa der Fall ist und diese noch längerfristig speichert ist extrem gefährlich und geht ausschließlich auf Kosten der Konsumenten.
mehr --> eBay veröffentlicht neue - bedenkliche - Datenschutzerklärung andere --> www.zopa.com andere --> http://ftp.freenet.at/mar/ebay-ds-erklaerung.pdf
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