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2002/04/26 STATISTIK AUSTRIA - Bedenkliche Forderungen
Offenbar unterbeschäftigt und überbesetzt präsentiert sich derzeit die STATISTIK AUSTRIA (vormals: Statistisches Zentralamt).

Mit der skurrilen und grundrechtlich äußerst bedenklichen Forderung nach einer österreichweiten Identitätsnummer fällt der Volkszähler der Nation, Karl Isamberth, wieder einmal negativ auf.

Offenbar durch die Volkszählung nicht gefordert, macht sich Herr Isamberth auf, die letzten ungelösten Probleme der IT-Branche im Schnellschussverfahren zu lösen.

Zu den Details des Doppelgängerproblem sei auf den Praxis-Bericht dieser Aussendung verwiesen. Bekannt ist, daß sich alle öffentlich-rechtlichen Datenbanken, seien sie von Gemeinden, der Polizei oder anderer Behörden betrieben, mit Doppelgängern herumschlagen.

(siehe: "Wie sicher sind Identifikationsprozeduren?")

Hans G. Zeger: "Aus eigener Erfahrung mußte ich zur Kenntnis nehmen, daß ein einmal polizeilich eingetragener falscher Vorname aus dem Melderegister, trotz Anträge, Eingaben und Ansuchen, nicht mehr zu entfernen ist."

Die STATISTIK AUSTRIA glaubt in Österreich 600 Datenzwillinge gefunden zu haben. Eine völlig lächerliche Aussage, da Doppelgänger aufgrund vieler Faktoren entstehen und es daher unter anderem auch von der Wartungsqualität einer Datenbank abhängt, wieviel Doppelgänger existieren.

Die STATISTIK AUSTRIA fordert daher die Einführung von Identitätsnummern, die jeder Bürger bekommt. Ein Schnellschuss, der auf einem intellektuellen Kurzschluss beruht.

Aus praktischer Sicht ist es einmal fraglich, ob es überhaupt gelingen würde, in absehbarer Zeit, es müßten dies wenige Wochen sein, ALLEN Menschen eine derartige Nummer zukommen zu lassen. Schon bei der Volkszählung wurden etwa 10.000 Personen übersehen.

Wesentlich schwerwiegender ist jedoch die Tatsache, daß eine derartige Nummer nur Sinn machen würde, wenn alle Datenbankbetreiber verpflichtet wären, ihr System auf diese Nummer umzustellen. Die betriebswirtschaftlichen Kosten einer derartigen Umstellung würden die Kosten der Y2K-Hysterie um ein rund 100faches übersteigen.

Weiters müßte man alle Bürger zwingen, bei jedem Behördenkontakt und Amtsweg diese Nummer zu verwenden. Dies könnte durch Einführung hoher Strafdrohungen erfolgen, wir hätten dann mit einem Schlag rund 7,9 Mio. potentielle Kriminelle in Österreich. Die Alternative wäre der Ausschluß von Leistungen, wenn die Nummer nicht verwendet wird. Dazu müßten praktisch alle österreichischen Gesetze geändert und angepaßt werden. Es würde kaum gelingen diese Umgestaltung EU-konform durchzuführen.

Hans G. Zeger: "Im Ergebniss würde die Einführung des Identitätskennzeichens zur Ausmerzung von Datenzwillingen geradezu unglaubliche polizeistaatliche Maßnahmen erfordern. Mit trotzdem ungewissen Ausgang. Vielleicht hat man dann zwar keine menschlichen Datenzwillinge, also verschiedene Personen mit gleichen Datensätzen, mehr, aber Datensatzzwillinge, also verschiedene Datensätze zu gleichen Personen."

Nun ist bekannt, daß einzelne Staaten Identitätsnummersysteme haben. Diese sind jedoch auf bestimmte Anwendungsbereiche beschränkt und sollen innerhalb dieser Bereiche, die Datenverarbeitung erleichtern. Im nationalen Kampf gegen die Windmühlen der Doppelgänger werden sie nicht eingesetzt. Auch Österreich hat längst derartige Identitätsnummernsysteme, wie die Sozialversicherungsnummer oder die ZMR-Kennzahl. Weitere Nummernsysteme sind so notwendig wie der sprichwörtliche "Kropf am Hals".


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