2005/05/11 eHealth als Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems
Rat der Europäischen Union betont die große Bedeutung von eHealth zur Verbesserung des Gesundheitswesens - Studien bestätigen die enomen Einsparungs- und Verbesserungspotentiale durch eHealth
Rat der Europäischen Union betont die große Bedeutung von eHealth zur Verbesserung des Gesundheitswesens
Der Rat der Europäischen Union betont die Bedeutung der Nutzung moderner Kommunikations- und Informationstechnologien einschließlich des Internets für die Verbesserung des Gesundheitswesens im europäischen Raum. In eingen Bereichen sind bahnbrechende Verbesserungen zu erwarten. Die Mitgliedstaaten werden deshalb aufgefordert, Entwicklungen in diesen Bereichen ihren finanziellen Mitteln entsprechend zu fördern und neue gesetzliche Rahmen für den Einsatz der neuen Dienste zu schaffen.
Die Entwicklung der folgenden Dienste soll Effizienz erhöhen und Kosten drastisch senken
- Informationsportale für Bürger, Mediziner und Gesundheitseinrichtungen
Gut informierte Patienten, gehen anders mit Ihrer Gesundheit um, sie sind eher bereit, Verantwortung zu übernehmen, von Vorsorgemedizin zu profitieren, einen gesunden Lebensstil im Bezug auf Sport und Ernährung zu führen.
Medizinern die Informationsportale zum Erfahrungsaustausch nutzen, steht ein breiteres Spektrum an Therapiemöglichkeiten zu Verfügung. Sie können die rasanten technologischen Neu-Entwicklungen besser verfolgen und EU-weit von den Erfahrungen der Kollegen profitieren. Sie sind immer auf dem letzten Stand im Bezug auf neue Medikamente und deren Generika.
Gesundheitseinrichtungen können Kosten und Effizienz der verwendeten Therapien mit denen anderer Einrichtungen vergleichen und dadurch Qualität und Effizienz der Behandlungen verbessern.
Gemeinschaften in abgelegenen Gebieten sind durch verbesserten Zugang zu Informationen von Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung weniger betroffen.
- Einsatz der elektronichen Gesundheitskarte
Mit dem EU-weiten Einsatz der elektronichen Gesundheitskarte wird den Bürgern der Europäischen Union länderübergreifende Gesundheitsversorgung ermöglicht. Freie Kapazitäten in einem anderen Land könnten genutzt werden, wenn im Heimatstaat keine vorhanden sind.
- Einsatz personalisierter Systeme zum Monitoring besonders gefährdeter Patienten.
Durch Zugang zu persönlichem Monitoring können chronisch kranke Patienten wie Diabetiker, Herzkreislauf-Patienten, Astmatiker einen ständigen Kontakt zu medizinischen Betreuern aufrecherhalten und trotzdem ein unabhängiges Leben führen. Klinikaufenthalte werden dadurch wesentlich verringert.
Studien bestätigen die enomen Einsparungs- und Verbesserungspotentiale durch eHealth
Die Erwartungen des Rats und auch der Europäischen Kommission, enorme Einsparungs- und Verbesserungspotentiale durch erhöhten Einsatz von ehealth zu erzielen, werden weltweit durch Studien bestätigt.
Die Studie 'the informed Patient', die von der Cambridge Universität durchgeführt und im August 2004 veröffentlicht wurde, bestätigt die zunehmend wachsende Bedeutung von guten Gesundheitsinformationsportalen zur Entlastung der Gesundheitssysteme. Gut informierte Patienten gehen verantwortungsbewusster mit ihrer Gesundheit um, sind eher bereit, Vorsorgemedizin in Anspruch zu nehmen und dadurch Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Die Autoren präzisieren welche Kriterien gute Informationsportale erfüllen müssen:
- die Informationen müssen leicht zugänglich, unabhängig und evidenzbasiert sein
- sie müssen auch auf die Bedürfnisse älterer und behinderter Menschen ausgerichtet sein
- sie müssen Patienten wie Leistungserbringer bei der Auswahl von Behandlungsoptionen unterstützen
- sie müssen dazu beitragen, Gesundheitssysteme transparent zu gestalten und Wahloptionen und Kosteneffektivität sichtbar machen
- sie müssen immer auf dem letzten Stand sein, d.H. permanente Anpassung an sich verändernde Informationsbedürfnisse und schnelle Einbeziehung neuer Informationen ermöglichen.
Auch die OECD betont die Notwendigkeit, die Einsparungspotentiale guter Gesundheitsportale zu nutzen.
Nach Statistiken der OECD übersteigt der Kostenzuwachs an Gesundheitsausgaben derzeit das Wirtschaftswachstum der meisten OECD Länder. Die OECD prognostiziert ein weiteres explosionsartiges Ansteigen der Gesundheitsausgaben besonders für über 65- Jährige bis 2040 und betont, dass die Gesundheitsausgaben in Zukunft zunehmend von den Patienten mitgetragen werden müssen.
Gründe für das explosionsartige Anwachsen der Gesundheitskosten sieht die OECD nicht nur in der Überalterung der Gesellschaft sondern auch in der rasanten technologischen Weiterentwicklung in der Medizin wie Computertomographie, Magnetresonanz und den generell steigenden technischen Anforderungen in vielen Bereichen.
Die moderne Technik kann auf die Dauer nur finanziert werden wenn sie gezielt auch dort eingesetzt wird wo sie Einsparungspotentiale bringt. Gut aufgebaute Informations-Portale für Patienten und Angehörige medizinischer Berufe könnten helfen Fehler zu vermeiden und die Gesundheitsausgaben wesentlich senken (OECD 2003). Weitere Studien belegen diese Schlussfolgerung der OECD mit konkreten Zahlen.
Die 'European eHospital survey', eine umfassende Studie, des Health Information Network (HINE 2004), untersuchte den Stand der IT-Integration in rund 600 Spitälern EU-weit und befragte IT-Manger und CIOs nach ihren Plänen für die nächten fünf Jahre. Über 80% der Befragten rechneten damit, in den nächsten fünf Jahren alle Abteilungen der betroffenen Spitäler komplett vernetzt zu haben, wodurch eine wesentliche Steigerung in der Effizienz der Spitäler zu erwarten ist.
Ball und Kollegen (Ball et al 2001) untersuchten die Einsparungen im Gesundheitssektor durch eHealth am Beispiel einer amerikanischen Krankenversicherung. Die Versicherung meldete ihre Klienten zu eHealth Programmen (einem eHealth Diabetis Programm) an und hielt dadurch viele von den Spitälern fern was enorme Einsparungen brachte. Auch Telemonitoring von Patienten sowie Unterstützung der Patienten über elektronische Medien nach Herzinfarkten, senkte die Rückfallquoten erheblich. Die Einsparungen durch eHealth wurden schon damals auf 500.000$ pro Jahr geschätzt.
Bates (Bates et al, 2003) zeigt anhand verschiedener Experimente, dass Angehörigen medizinischer Berufe, die eHealth nicht nutzen wesentlich mehr Fehler beim Verschreiben von Medikamenten und deren Dosierungen unterlaufen, als Kollegen die ein elektronisches Informationsmanagement nutzen. Bereits 1998 bewies er anhand eines Versuchs (Bates et al, 1998), dass die Verwendung von elektronichen Informationplattformen zum Verschreiben von Medikamenten Irrtümer im Bezug auf Medikamentenwahl und deren Dosierung um 50% verringern konnte. Laut Ansicht des Autors sind Menschen, die Gesundheitsdaten ohne Computer verwalten, mit dem Informationsmanagement überfordert. Daten die für kompetente Entscheidungen notwendig wären stehen dann nicht in ausreichneder Qualität und Aktualität zur Verfügung was zu schwerwiegenden Fehlentscheidungen führen kann.
Eine Umfrage von Eurobarometer 2002 ergab, dass knapp 48% aller Vertragsärzte für Allgemeinmedizin Gesundheitsinformationen elektronich verwalten. Wenn man davon ausgeht, dass das Einsparungspotential durch eHealth 50% betragen könnte, bleibt noch ein beträchtliches Einsparungspotential offen bis die elektroniche Verwaltung von Patientendaten und anderen Gesundheitsinformationen in allen EU-Ländern state of the art ist.
Harris Interactive analysierte den Einfluss von eHealth auf das Patientenverhalten gegenüber Angehörigen medizinischer Berufe. Die Autoren stellten fest, dass der Besuch von Gesundheitsplattformen im Internet das Patientenverhalten gegenüber Ärzten grundlegend veränderte. Die informierten Patienten diskutierten die Informationen mit dem Arzt, verlangten gezielt Medikamente und zeigten besserers Verständnis ihrer Gesundheitsprobleme und der notwendigen Therapien (Harris Interactive 2002).
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