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2004/03/03 SPAM wird zum 'erfolgreichsten' e-business-Modell!
EU-Studie dokumentiert alarmierende Entwicklung - 7% der Benutzer bestellen aufgrund von SPAM-Nachrichten - 51% der Mails sind SPAM - Gewinne ab einer Bestellung je Million Mails

Bedrohung der Informationsgesellschaft

Rund 6 Trillion (EU=Billionen) SPAM-Nachrichten wurden 2003 verschickt (= 6.000.000.000.000 Mails), gegenüber 'nur' 3 Trillion im Vorjahr. Besonders beunruhigend ist das massive Wachstum. Waren 2001 7% aller Mails SPAM-Nachrichten, waren dies 51% im Jahr 2003. Während der gesamte Mailverkehr eher konservative Wachstumsraten hatte, etwa 40% in zwei Jahren, betrug die SPAM-Steigerungsrate im Zweijahresabstand 1000% (!!).

Als besonderes Ärgernis registriert die Studie falsche und irreführende Angaben in der Betreffzeile, die Verschleierung des Absenders und das wahllose Versenden jugendgefährdender Inhalte an Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen.

Laut FTC, der US-Handelsbehörde, enthalten 22% der SPAMs falsche Betreffangaben, 42% irreführende Betreffzeilen, die eine persönliche oder geschäftliche Beziehung vorgaukeln, 44% enthalten falsche Absenderangaben, 40% waren als gefälschte Mails zu bewerten. Die FTC erhält über eine eigens eingerichtete Datenbank täglich (!) 130.000 SPAM-Hinweise.


Unterschätzte indirekte Kosten

Während die direkten SPAM-Kosten offensichtlich sind (Kosten für entfernen unerwünschter Nachrichten, Leitungs- und Speicherplatzkosten, Konfigurationskosten für Filter und Software), bleiben die indirekten Kosten oft unbeachtet.

Aufgrund der derzeitigen Filtertechniken werden immer öfter legitime Nachtrichten nicht zugestellt ('falsche positive') oder Mails schlicht nicht gelesen, weil sie wie SPAM wirken. In einer Umfrage gaben 25% der Teilnehmer an, dass sie aufgrund der massiven SPAM-Zunahme weniger Mails als bisher lesen.


Lukratives Geschäft

Während die tatsächlichen wirtschaftlichen Schäden schwer zu ermitteln sind, die Aussagen diverser Marktuntersuchungen schwanken bis zu einem Faktor 100, sind die Gewinnchancen für die Versender astronomisch.

Ein Versender von Massenpost gab an, er könne auch dann noch Gewinne erzielen, wenn die Antwortrate unter 0,0001% liege, also bloß einer von einer Million Angeschriebenen reagiert.

Laut Pew Internet haben 7% der Benutzer auf Grund von SPAM-Zusendungen Bestellungen aufgegeben und 33% reagierten auf Links, die sie per SPAM erhielten.


Siamesischer Zwilling WURM

Immer lukrativer wird der Geschäftszweig des 'erntens' von Mailadressen, oft durch Würmer provoziert oder auch durch das Angebot, durch Reagieren auf ein SPAM-Mail von weiteren SPAMs verschont zu werden.

Auch die Unsitte, Mails mit allen Empfängern im Header zu verschicken, begünstigt die Weiterverbreitung von SPAM. Die ARGE DATEN beobachtet dieses Phänomen ganz besonders intensiv bei der elektronischen Kommunikation einzelner Behörden, allen voran das Bundeskanzleramt.


Definition von SPAM nach wie vor unklar

Probleme bereitet auch die Definition von SPAM. Der Begriff wird 'öfter verwendet, als definiert', so die EU-Studie. So berührt jede SPAM-Diskussion auch das verfassungsrechtliche Grundrecht auf Meinungsfreiheit. Am angemessensten kann SPAM mit 'unerbetener Werbung über elektronische Post' definiert werden. Damit würden Mails mit Anfragen, Meinungsäußerungen und sonstigen Informationen an Politiker, Funktionäre oder Unternehmen, auch wenn sie nicht erwünscht sind, nicht unter diese Definition fallen und das Recht auf freie Meinungäußerung respektieren.

Im Internet veröffentlichte persönliche Daten dürfen laut allgemeiner EG-Richtlinie Datenschutz (95/46/EG) nicht generell gesammelt werden. Ein vergleichbares Verbot fehlt im österreichischen Datenschutzgesetz. Hier steht die Datenschutzkommission auf dem (EU-widrigen) Standpunkt, dass bei einmal veröffentlichten Daten kein schutzwürdiges Interesse gegeben ist.


Vorgeschlagene Maßnahmen eher dürftig

Leider folgen dem EU-Papier nach der genauen Problemanalyse kaum neue, konkrete Vorschläge zu Maßnahmen. Abgesehen von den bekannten gesetzlichen und vertraglichen Regelungsvorschlägen, den Appelen an die Wirtschaft zur Selbstregulierung und der Forderung nach mehr internationaler Zusammenarbeit und mehr Informationsaustausch folgt wenig Konkretes.

Nicht einmal zur Forderung einer verpflichtenden Markierung von Werbemails kann sich die EU-Studie durchringen. Technische Initiativen zur Sicherung des e-mail-Verkehrs wurden - leider - ausdrücklich ausgeblendet. Wesentlich wären jedoch europäische Initiativen, die sowohl bei technischen Verbesserungen des Mail-Sende- (SMTP) und Mail-Empfangsprotokolls (u.a. POP3), als auch bei der lokalen Mailverwaltung (dem Enbenutzerbetriebssystem) ansetzen.

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Archiv --> http://ftp.freenet.at/int/eu-mitteilung-spam.040122.pdf
andere --> http://spf.pobox.com

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