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2014/01/27 Ohne Klout-Score kein Bewerbungsgespräch?
Philipp Hochstöger
Klout Scores in der USA im Vormarsch - Bedeutung in Österreich? Verwendung von allgemein verfügbaren Daten und Erstellen eines Scores ohne Zustimmung - ist das nach dem Datenschutzgesetz 2000 (DSG 2000) erlaubt? Wie kann ich Social Media nutzen ohne bewertet zu werden?

Klout Scores in der USA im Vormarsch

In den USA ein viel diskutiertes Thema, in Österreich noch Zukunftsmusik. Während in den USA schon in manchen Anforderungsprofilen für Jobs ein Klout-Score von bestimmter Höhe verlangt wird, ist den meisten Österreichern noch unbekannt, was das überhaupt ist.

Klout ist ein Unternehmen aus San Francisco, das von sich behauptet, den Einfluss eines Users auf die sozialen Netzwerke messen zu können. Dafür bedient es sich Plattformen wie Facebook, Twitter, Google+ oder LinkedIn und berechnet aus Fakten wie Anzahl der Follower, der Kommentare oder Retweets eines Users einen Punktestand von 1-100. Dieser Wert soll dann anzeigen, wie gut man in den sozialen Netzwerken vernetzt ist und welchen Stellenwert man in der Online Community hat.

Klout ist nicht das einzige Unternehmen, das sich auf die Berechnung der Online Reputation eines Menschen spezialisiert hat. Konkurrenten auf diesem Gebiet sind  z.B. Peerindex und Kred. Diese Social Media Rating Agenturen, wie sie oft genannt werden, stehen jedoch stark in Kritik, da der Score nicht wirklich etwas über den Einfluss eines Social Media Nutzers aussagt. Gemessen wird vor allem Quantität der Posts und nicht Qualität. Datenschutzrechtlich äußerst bedenklich ist, dass Klout im Gegensatz zu Peerindex oder Kred Profile von Twitter Usern anlegt, ohne sie vorher um Zustimmung zu fragen. Trotzdem wird der Social Media Score von vielen Unternehmen in den USA ernst genommen und auch Bedeutung zugemessen.


Job Kriterium Klout Score

In den USA wurden Bewerber schon auf Grund ihres zu niedrigen Klout-Scores abgelehnt. Vor allem in der Marketing-Branche soll dieser laut Berichten eine Rolle spielen. Doch auch in anderen Bereichen hat der Social Media Score an Bedeutung gewonnen. So bekommt man, in manchen Online Shops Rabatte, wird im Kundenservice bevorzugt, erhält Zutritt zu einer Business Lounge oder ein besseres Zimmer im Hotel, wenn man einen Score in einer gewissen Höhe hat. In Österreich ist man von solchen Szenarien noch weit entfernt, doch ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis solche Dienste auch bei uns Fuß fassen.


Allgemein Verfügbare Daten - Lücke im DSG 2000

Bewertet man Klout rechtlich, so muss man zwischen Personen unterscheiden für die Klout ohne Zustimmung Score Profile anlegt und Klout Usern.

Die User von Klout haben der Verwendung personenbezogener Daten nach § 8 Abs 1 Z 2  DSG 2000 zugestimmt. Wenn die Zustimmungserklärung den Anforderungen des DSG 2000 entspricht, ergeben sich insoweit keine rechtlichen Probleme.

Rechtlich problematisch ist, dass Klout auch Profile für Personen erstellt, die überhaupt nicht angemeldet sind und dafür öffentlich zugängliche Daten auf Twitter verwendet. Anders als die User von Klout, die den Datenschutzbestimmungen zugestimmt haben, wissen solche Personen oft nicht einmal, dass es solche Dienste überhaupt gibt. Laut § 1 DSG 2000 sind allgemein verfügbare Daten einem Geheimhaltungsanspruch nicht zugänglich und deshalb nicht schutzwürdig. Da es sich bei Faktoren wie Anzahl der Follower auf einem Twitter Account um allgemein verfügbare Daten handelt, dürfen Klout und Co diese Daten verwenden, ohne gegen das DSG 2000 zu verstoßen.

Wieder eine andere Frage ist, ob solche Dienste aus allgemein verfügbaren Daten ein neues Datum ohne Zustimmung des Betroffenen erstellen dürfen. Nach der derzeitigen Fassung des DSG 2000 ist auch das wohl kein Problem. Unternehmen wie Klout berechnen aus einer Vielzahl an allgemein verfügbaren Daten einen Zahlenwert, den Score. Dieser Vorgang stellt wiederum eine Verarbeitung iSd des DSG 2000 dar. Da es sich bei den verarbeiteten Daten allerdings um allgemein verfügbare Daten handelt, verstößt auch dieser Vorgang nicht gegen das DSG 2000.

Dass dieser Vorgang vom DSG 2000 gedeckt ist, zeigt eine der Lücken dieses Gesetzes auf. Obwohl die EU-Datenschutzrichtlinie den Begriff der allgemein verfügbaren Daten nicht kennt, hat ihn der österreichische Gesetzgeber in das DSG 2000 aufgenommen und normiert, sodass diese nicht mehr dem Schutzbereich des DSG 2000 angehören. Dies führt dazu, dass ohne jede datenschutzrechtliche Einschränkung mit diesen Daten verfahren werden darf.
Aus diesem Grund sollten allgemein verfügbare Daten nicht ganz aus dem DSG 2000 fallen und zumindest einem Mindestschutz unterliegen, damit Klout und Co nicht wahllos damit umgehen dürfen.

In der angedachten Datenschutz Grundverordnung (DSGVO) findet man den Begriff der allgemein verfügbaren Daten ebenso wenig wie in der EU- Richtlinie 95. Diesmal hat der österreichische Gesetzgeber jedoch nicht die Möglichkeit, Begriffe nach Belieben einzufügen, da die DSGVO unmittelbar anwendbar ist. Somit darf man auf eine Besserung in diesem Bereich hoffen.


Social Media nutzen aber nicht bewertet werden

Wie kann ich Social Media nutzen und mich dennoch solchen Bewertungen entziehen
„Everyone has Klout“ lautet der Slogan von Klout. Und in der Tat ist dieser Dienst wahrscheinlich der fleißigste Datensammler aller Social-Media Rating Agenturen. Konkurrenten wie Peerindex oder Kred legen nicht automatisch ein Profil an, nur weil man bei Twitter Kommentare postet. Es ist daher ratsam, erst einmal zu schauen, ob Klout ein Profil angelegt hat und dieses gegebenenfalls zu löschen.

Weiters sollte man, soweit möglich die eigenen Posts und das Profil auf Facebook und Co nur für befreundete Personen freizugeben. Wurde dies gemacht, gelten die Daten nicht mehr als allgemein verfügbar und dürfen auch nicht von solchen Diensten verwendet werden. Hat man den Verdacht, dass solche Daten trotzdem verwendet werden, sollte man von seinem Auskunftsrecht nach § 26 DSG 2000 Gebrauch machen.


Fazit

In Österreich sind HR Abteilungen noch weit davon entfernt, Bewerber wegen ihres niedrigen Klout-Scores abzulehnen. Auch behandeln Unternehmen ihre Kunden nicht unterschiedlich, nur weil der eine mehr Einfluss in den sozialen Netzwerken zu haben scheint als der andere. Klout und Co sind einfach noch nicht ausgereift genug, um einen aussagekräftigen Wert zu berechnen.  In Zukunft wird dies aber immer mehr zur Realität werden.

Dabei muss man für sich selbst entscheiden, ob man seinen Social Media Score messen lässt oder nicht. Es kann jedenfalls nicht im Sinne des Gesetzgebers sein, dass ein Dienst wie Klout alle personenbezogenen Daten im Internet zusammenkratzt und ein Score Profil erstellt, dessen Löschung dann erst durch die betroffene Person veranlasst werden muss. Es ist daher notwendig, dass auch allgemein verfügbare Daten einem gewissen Schutzniveau unterliegen und nicht willkürlich verwendet werden dürfen.

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