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1991/12/31 Verkehrsverhaltensbefragung Wien 1991
DIR Im Oktober war es wieder einmal so weit. Tausende Wiener Familien, kaum erholt von der Volkszählung (Mai 1991) und von d...

Im Oktober war es wieder einmal so weit. Tausende Wiener Familien, kaum erholt von der Volkszählung (Mai 1991) und von der Mikrozensuserhebung (September 1991), erhielten ein dickes Konvolut von Fragebögen zum Thema "Verkehrsverhalten".

Erster Eindruck: Ein amtliches Schreiben des Magistrates der Stadt Wien. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die DVR-Nummer der Gemeinde Wien und durch den langen Einleitungsbrief des "amtsführenden Stadtrats für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Personal, Dr. Hannes SWOBODA".

Zweiter Eindruck: Das Schreiben soll Umweltbewußtsein ausstrahlen, fast der ganze Fragebogen ist auf Umweltschutzpapier gedruckt. Offensichtlich eine Vorwegnahme des vorhersehbaren Schicksals von 80 bis 90 Prozent dieser Bögen, ungelesen in den Papierkorb zu wandern.

Dritter Eindruck: Die Gemeinde Wien will's wieder einmal genau wissen. Eine kleine Kostprobe aus dem Personenbogen gefällig?

Bitte für folgenden STICHTAG ausfüllen: Donnerstag, 3. Oktober 1991: Waren Sie an diesem Tag außer Haus? Wenn Ja, dann fahren Sie bitte mit nachfolgender Tabelle fort! (Leider ohne Hinweis, wohin damit zu fahren wäre, oder zumindest mit welchem Verkehrsmittel).

Ausgangspunkt des 1. Weges (Wohnung oder anderer), Adresse des ersten Weges: _____. Um wieviel UHR haben Sie diesen ersten Weg begonnen? (Stunde:Minuten). Wohin führte dieser Weg? (Zieladresse: _____) Um wieviel Uhr sind sie dort angekommen? (Stunde:Minuten). Wie lang war dieser Weg? (ca. ____ km).Zu welchem Zweck haben Sie diesen Weg unternommen? (Arbeitsplatz/Schule, Ausbildung/Bringen und Holen von Personen/dienstliche oder geschäftliche Erledigung/ Einkauf oder sonstige Wege betreffend Hausarbeit/Private Erledigung, z.B.: Arzt oder Behörde/Freizeittätigkeit/nach Hause/anderes) WelcheVerkehrsmittel haben Sie benutzt?

Bitte geben Sie alle benutzten Verkehrsmittel an. (zu Fuß/Fahrrad/Moped, Motorrad/PKW als Fahrer/ PKW als Mitfahrer/Taxi als Fahrgast/Bus, Linie(n): ____/Straßenbahn, Linie(n): ____/U-Bahn, Linie(n):____/S-Bahn, Linie(n):____/Eisenbahn/anderes) PKW-BENUTZER: Art der PKW-Abstellung am Zielort diesesWeges (Kurzparkzone/Ladezone/Garage,Hof/Halteverbot/sonstige r Stellplatz)

Wie lange war die Parksuchzeit am Zielort dieses Weges für Sie? (____ Minuten); Benutzer eines öffentlichen Verkehrsmittels: Entfernung von der Ausstiegs-Haltestelle zum Zielort? (____ Meter) Wurde ein Gepäckstück oder ähnliches transportiert? Wenn ja, war es leicht zu tragen/schwer zu tragen.Haben Sie am Stichtag einen weiteren Weg unternommen? Wenn ja, beantworten Sie bitte die Fragen zum zweiten Weg!

Und so weiter und so fort. Treuherzig versichert der Fragebogen: Eintragungen für den vierten bis siebenten Weg bitte auf der Rückseite. Über die Eintragungen des achten bis 34. Weg schweigt der Fragebogen. Datenschutz!

Erste Auflösung: Der "amtliche" Fragebogen ist kein amtlicher, sondern ein demoskopischer Erguß des Duos HERRY/SNIZEK. Allerdings im Auftrag des Herrn amtsführenden .... eh schon wissen.

Zweite Auflösung: Die Gemeinde Wien macht solche Befragungen alle fünf Jahre, denn sonst wüßten die Verantwortlichen nicht, wie die Verkehrssituation in Wien ist. Wir empfehlen dazu Bürgermeister ZILK und amtsführenden Stadtrat ... einen Schritt vor das Rathaus zu wagen. Die schlichte Beobachtungeiner kleineren Zahl neuralgischer Verkehrsknotenpunkte, würde die gewünschten Planungsdaten relativ billig ins Haus liefern. Eine Liste solcher Beobachtungspunkte kann kostengünstig beim Verkehrsexperten Professor KNOFLACHER oder bei jedem Wiener Verkehrsteilnehmer bezogen werden. Noch einfacherwäre es, gleich die vorhandenen Verkehrsanalysen von Professor KNOFLACHER, ARGUS, FAHRGAST und sonstigen Planungseinrichtungen heranzuziehen.

Dritte Auflösung: Das Ausfüllen dieser Fragebögen ist freiwillig, ganz leicht ist das aber nicht zu erkennen, steht die Freiwilligkeit doch in einer 13-Punkte langen Anweisungsliste zum richtigen Ausfüllen doch glatt an der 13. Stelle. Trotzdem darf die Prognose gewagt werden: selbst wenn einigehundert Personen diese Bögen ausfüllen, dürften die Antworten weder repräsentativ noch richtig sein. Oder erwarten sich HERRY/SNIZEK tatsächlich, daß am 3. Oktober irgendwelche Wiener mit Maßband bewaffnet die Entfernung zwischen "Ausstiegsstelle und Zielort" abgemessen haben?

Vierte Auflösung: Natürlich geht es nur um die Erfassung von Planungsdaten und von statistischen Daten. Alles ist völlig geheim und anonym. Nur leider muß man, sonst wäre eine Verkehrsbewegungsbefragung ja witzlos, die Adresse von Ausgangspunkt und Zielpunkt der verschiedenen Wege angeben. Außerdem,wenn man am "Verkehrsbefragungs-Preissausschreiben" teilnehmen wolle, müsse man nur Name und Adresse auf den Befragungsbogen schreiben. Es gibt ja so wunderschöne Preise, "z.B. Fotoapparat", zu gewinnen. Für wie dumm müssen die Wiener gehalten werden, dann noch im Fragebogen anzukreuzen, daß sieihren PKW im Halteverbot abgestellt haben?

Fünfte Auflösung: War da nicht im Mai 1991 (also vor mehreren tausend Jahren) eine Volkszählung, in der Verkehrsbewegungsdaten gefragt wurden? Begründet wurden diese Fragen damit, daß die Gemeinden Daten über das Verkehrsverhalten der Bevölkerung benötigen. Um bessere Straßen, schnellere U-Bahnenund komfortablere Busse bauen zu können. Welchen Wert die Daten dieses Millionenspektakel für die Wiener Stadtverwaltung haben, hat sie wohl mit ihrer "Verkehrsverhaltensbefragung" eindringlich dokumentiert. Keinen. Kommentar überflüssig.

Keine Auflösung, aber ein praktischer ARGE DATEN - Tip: Sparen Sie sich die mühevolle und sinnlose Ausfüllung derartiger Fragebögen, schicken Sie diese an den Empfänger zurück (Motto: Backmail) und verbringen Sie die dadurch ersparte Zeit mit Ihren Kindern im Wienerwald. Wenn's leicht geht, miteinem öffentlichen Verkehrsmittel.




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