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2005/09/13 Die Auslieferung der e-Card
Seit mehreren Wochen wird e-card ausgeliefert - Emfänger sollten Rückseite genau kontrollieren - Gälserner Patient wird vorbereitet - Zwei-Klassenmedizin soll administrierbar gemacht werden

Derzeit läuft flächendeckende Auslieferung

Nach vieljährigen Geburtswehen wird nunmehr die e-Card flächendeckend ausgeliefert. Nicht zuletzt durch die Informationstätigkeit der ARGE DATEN konnte verhindert werden, dass sensible Gesundheitsdaten auf der Chipkarte gespeichert werden.

Geisterte in den Anfängen der e-Card (sie hieß damals MedCard) noch die Idee herum, "Notfallsdaten" auf die Chipkarte zu bringen, konnte dieses Projekt nach jahrelangem Argumentieren verhindert werden.

Notfallmediziner erklärten einhellig, dass sie im Notfall wichtigeres zu tun hätten, als Chipkarten zu suchen, zu prüfen wem welche Karte tatsächlich gehört und störanfällige Lesegeräte, sofern die überhaupt verfügbar wären, zum Laufen zu bringen. Auch die Spitäler konnten auf die unvollständigen und unzuverlässigen Daten auf der Chipkarte verzichten.

Vorteilhaft wären die Notfallsdaten nur für Gesundheitsbürokraten gewesen, die kein Heilungsinteresse haben, sondern bloß verwalten wollen. Privatversicherungen hätten leichter Versicherungsausschlussgründe finden können, Personalchefs hätten Bewerber leichter selektieren können.


Rückseite der e-Card beachten!

Etwas zu kurz kommt in der medialen Berichterstattung des Roll-Outs (Auslieferung) der e-Card, dass die entscheidenden Informationen der e-Card nicht auf dem Chip enthalten sind, sondern sich auf der Rückseite der Karte befinden.

Die Rückseite enthält EU-konform alle Angaben, die zur Inanspruchnahme medizinischer Leistungen in der gesamten EU (inklusive Österreich) erforderlich sind. Dies völlig unabhängig davon, ob der Chip auf der Vorderseite funktioniert oder ob er gelesen werden kann.

Alle e-Card-Empfänger sollten daher diese Daten der Rückseite genauestens prüfen, ersetzen sie doch in Zukunft die Auslandskrankenscheine. DI Schörghofer vom Hauptverband räumte zuletzt ein, dass bis zu 2% der e-Card fehlerhaft sein könnten. Das klingt nach nicht sehr viel, wären aber doch etwa 160.000 fehlerhafte e-Cards.

Die im Chip im öffentlichen Bereich gespeicherten Informationen sind Geschlecht, Geburtsdatum und Kartennummer. Über die gespeicherten Informationen des geschlossenen Chipkarenbereichs schweigt der Hauptverband beharrlich. Ob diese Daten gelesen werden können oder nicht ist jedoch für die Tatsache der Inanspruchnahme der Versicherungsleistungen unerheblich. Dazu genügt die Vorlage der Daten gemäß der EU-Vorgabe (Rückseite).


Neue Gefahren der Privatsphäre drohen

Die Einführung der e-Card stellt jedoch keinen Schlusspunkt in der Bürokratisierung des Gesundheitswesens dar, sondern erst dessen Start.

Von der Bevölkerung relativ unbeachtet, wurde Anfang des Jahres das Gesundheitstelematikgesetz beschlossen, dass die österreichweite Vernetzung aller Patientendaten vorsieht.

Was im ersten Blick vorteilhaft aussieht (siehe Notfallsdaten), entpuppt sich als schärfster Anschlag auf die Geheimhaltung von Gesundheitsinformationen. Zugriff sollen in erster Linie nicht Ärzte, Labors und Spitäler haben, für die gibt es schon jetzt ausreichende Möglichkeiten des Informations- und Befundaustausches, sondern Gesundheitsbürokratien, wie Amtsärzte, Privatversicherungen, Betriebsärzte und sogar das Gesundheitsministerium.

Für diese Stellen, die kein Heilungs- sondern bloß ein Kostensenkungsinteresse haben, sind Patienten und deren Gesundheitsdaten bloß Kostenfaktoren, die es zu reduzieren gilt. Eine Fülle von Gefahren drohen durch diesen Gesundheitsverbund. Die Kostenträger (Ministerium und Sozialversicherungen) könnten erstmals lückenlose personenbezogene Analysen durchführen, wer für das Gesundheitssystem "teuer" ist, bei wem sich noch eine bestimmte Behandlung "auszahlt" und wer eher in eine Warteschlange mit der Hoffnung eines baldigen Ablebens geschoben wird. Die befürchtete Zwei-Klassen-Medizin soll damit administrierbar werden.

Privatversicherungen können effizienter Patientenpicken betreiben und nur die gesunden, jungen, gutverdienenden nehmen, was der Versicherungsidee einer Risikogemeinschaft und eines Risikoausgleichs entgegen läuft. Betriebsärzte könnten schon bei der Anstellung die Krankengeschichte studieren.

Und die Amtsärzte wären nicht mehr auf Zufallsfunde angewiesen, wie sie sich durch Prüfung von Steuerabsetz-Anträgen ergeben, sondern man könnte Spitalsaufenthalte gezielt nach potentiell fahruntüchtigen Autofahrern oder gesundheitsgefährdeten Bundesbediensteten durchforsten. Auch die Ärzte der Bundesheerstellungskommissionen hätten ein "objektiveres", sprich gläseneres Bild über die Stellungspflichtigen. Marathonlaufende Bundesminister würden dann wohl nicht mehr als aus Gesundheitsgründen stellungsuntauglich durchgehen.

Diese Begehrlichkeiten existieren schon lange, waren aber bisher nicht umsetzbar. Versicherungen mussten sich auf die Befunde der Hausärzte verlassen, die Betriebs- und Amtsärzte auf ihre eigenen Wahrnehmungen und die Kostenträger erhielten nur statsitische Informationen oder die Informationen waren nur punktuell verfügbar.


Sonderkapitel Peering Point

Hat man sich mit der e-Card schon für eine relativ bürokratische, umständlich zu handhabende und letztlich teure Verwaltungslösung entschieden (siehe auch: http://ftp.freenet.at/ges/austriapro-e-card-ak-gesundheit.pdf), wird durch den Peering Point (PP) noch ein weiteres Schäuferl nachgelegt.

In einer gemeinsam von Ärztekammer und Hauptverband betriebenen Gesellschaft wird die gesamte Kommunikation der ärztlichen Praxen (niedergelassenen Ärzte) kanalisiert und zentralisiert. Abgesehen, dass damit Risken von Störungen und Fehlern eher erhöht, statt vermindert werden, wird dadurch für die Zukunft die Grundlage einer Totalüberwachung aller Ärzte und letztlich der Patienten geschaffen.

Bisher gelang es den Betreibern nicht zu erklären, welchen Sicherheitsgewinn dieses System haben soll, wird doch eingeräumt, dass es abgesehen von den allgemein verwendeten Internetsicherheitstechniken, wie Virenscan, SSL-Verschlüsselung und Portfilterung keine zusätzlichen Sicherheitsleistungen erbringt.

Tatsache ist jedoch, dass dieser künstliche Flaschenhals Zusatzkosten verursachen wird. Zusatzkosten die direkt oder indirekt die Patienten zahlen werden, Kosten die für die gesundheitsbehandlung fehlen werden.

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