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2005/10/17 Lachen wird zum kriminellen Delikt - Großbritannien ist wieder Vorreiter
Neue biometrische Reisepässe schreiben Aussehen der Bürger vor - was in Österreich geplant ist, ist in Großbritannien bereit Realität - Politiker wollen offenbar lieber Playmobilmännchen als mündige Bürger regieren

Neue biometrische Reisepässe

Mehrfach verschoben soll es ab Frühjahr 2006 ernst werden. Der RFID-Reisepass mit digitalem Bild soll - hochsicher - alle Bürger vor Terror schützen. So wird es von den gedankenlosen Befürwortern der neuen Überwachung heraufbeschworen.

Über die genauen Einführungsdaten schweigt zwar das Innenministerium noch, doch eines scheint fix zu sein, Lachen beim Grenzübertritt wird in Zukunft zu einem kriminellen Delikt werden.


Lachen verboten

Was in Österreich noch wie eine Orwellsche Phantasie paranoider Datenschützer klingt, ist in Großbritanien seit September 05 gesetzliche Realität. Passbilder dürfen kein Lächeln mehr zeigen. Lächelnde Gesichter könnten, so die geradezu kafkaeske Argumentation, nicht mehr biometrisch ausgewertet werden. Ob das Lachverbot die traditionell eher trockenen Briten noch humorloser werden läßt sei dahingestellt.

Dies bedeutet aber auch, dass man auch bei jedem Grenzübertritt tunlichst genau dasselbe maskenhafte Gesicht aufzusetzen hat, wie im Passbild vorgeschrieben und eingetragen.

Die Frage eines Beamten "Was haben Sie da zu lachen?" könnte in Zukunft bei der Passkontrolle der Beginn einer hochnotpeinlichen Terroristenüberprüfung sein.


Prüfung des Hoch-Sicherheitspass noch leichter zu unterlaufen

Die Übertragung von Sicherheitsprüfung und Verantwortung auf (unzureichende) technische Systeme führt jedoch zu einem Sicherheitsverlust. Kriminelle, die etwas zu verbergen haben, können durch einfachste Maßnahmen Videokontrollen unterlaufen. Ein freundliches Lächeln, eine ausgestopfte Wange oder der leicht schräg geneigte Kopf reichen heute aus, um die gängigen Video-Systeme zu überrumpeln.


Realität überholt jede Satire

Hatten wir in den letzten Jahren mehrfach von neuen Deliktbildern im Zusammenhang mit biometrischer Personenüberwachung gewarnt, müssen wir zu unserer Schande gestehen, auf das Lachverbot haben wir vergessen.

Es ist zwar bekannt, dass die Identifikationsraten bei Videoerkennung knapp über null, bestenfalls bei 33% liegen und somit völlig unbrauchbar sind. Siehe dazu die BSI-Studie, die ARGE DATEN berichtete 2003 darüber http://www2.argedaten.at/php/cms_monitor.php?q=PUB-TEXT-ARGED....

Es wäre uns nie im Traum eingefallen, dass Politiker angesichts unbrauchbarer Technologien nicht diese wegwerfen, sondern per Gesetz das Verhalten der Bürger an die Technik anpassen wollen.


Überwachungstechniken sind durchgefallen

Egal ob das Sammeln von Fingerabdrüchen, von DNA-Daten oder die biometrische Erfassung der Menschen, egal ob kleiner oder großer Lauschangriff. Auf Verbrechensbekämpfung, -prevention oder -aufklärung haben diese Methoden praktisch keinen Einfluss. Alle Statistiken des Innenministeriums belegen den äußerst geringfügigen Beitrag zur Verbrechensbekämpfung.

Zuletzt konnten die von knapp eine Million Menschen in Österreich gesammelter Fingerabdruckdaten nur bei weniger als 400 Straftaten einen Aufklärungsbeitrag leisten (bei mehr als 600.000 Delikten im Jahr!). Kriminelle gehen dazu über, sich zeitgerecht fremdes DNA-Material (Haare, Sperma aus gebrauchten Kondomen usw) zu beschaffen und diese dann am Tatort zu hinterlassen. Unschuldige werden verdächtigt, die Arbeit der Ermittler teuer und ineffizient gemacht.

Warum wird so verbissen an diesen Techniken festgehalten? Erstens geht es um sehr großes Geschäft. Weiters sind sie die einfachste Methode für Politiker Aktionismus zu zeigen und - dies dürfte der Hauptbeweggrund sein - sie sind ideal als Kontrollrute. "Wir können dich jederzeit überwachen, verhalte dich unauffällig, lächle nicht und gehe nicht an unerwünschte Orte" lautet die Botschaft.


Jetzt Reisepass besorgen

Reisepässe, die in den nächsten 3-4 Jahren ablaufen, sollte man am besten jetzt neu beantragen. Der mit RFID-Chip ausgestattete Reisepass wird ziemlich sicher mehr als der bisherige Pass kosten und vermutlich für kürzere Zeit gültig sein (entgegen den derzeitigen Beteuerungen des BMI).

Damit kann sich jeder Bürger zumindest eine 10jährige RFID-freie Zukunft sichern, mit der Hoffnung, dass die Politik auch in Sicherheitsfragen wieder zu rationalem Handeln zurückfindet.

Der RFID-Chip sorgt für das berührungsfreie Auslesen der Passdaten. Nach Auskunfts des Innenministeriums nur bis zu einem Abstand von 10 Zentimetern, Techniker gehen aber davon aus, dass in den nächsten Jahren auch Auslesedistanzen von mehreren Metern erreicht werden können. Womit zumindest Teilinformationen ohne Wissen des Betroffenen ausgespäht werden können und Bewegungsprofile möglich sind.


Nur das Playmobil-Männchen erfüllt Sicherheitsauflagen

Im übrigen ist auch grimmig schauen verboten, optimal ist ein "neutraler" Ausdruck, was immer das sein soll. Offenbar orientiert sich die Biometrieindustrie in ihren technischen Fähigkeiten an der Wiedererkennbarkeit von Play-Mobil- und Legomännchen. Danke für diese effizienten Beitrag zur Terrorbekämpfung.

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